Ratgeber Studium

Wie finde ich den passenden Studiengang?

Nach deinem Schulabschluss steht die wohl wichtigste Entscheidung deines bisherigen Lebens an – was sollst du studieren? Es gibt eine riesige Auswahl an Studiengängen, Fachbereichen, Universitäten und Hochschulen. So viele Entscheidungen müssen getroffen werden und zwischen den Ratschlägen von Eltern, Verwandten und Freunden den Überblick zu behalten - das kann wirklich schwer sein.

Wie findest du also raus, was du wirklich studieren solltest, um nicht nur dein Umfeld, sondern vor allem dich selbst glücklich zu machen und die richtige Entscheidung zu treffen?

Mit diesem drei Schritten kann fast nichts schiefgehen!


1) Die eigenen Stärken und Interessen kennen
Der erste wichtige Schritt auf dem Weg zum richtigen Studium ist es, die eigenen Interessen und Fähigkeiten, aber auch die persönlichen Schwächen zu analysieren.

  • Was sind deine Lieblings- und Hassfächer in der Schule?
  • Was machst du in deiner Freizeit am liebsten? Welche Hobbys hast du?
  • Hast du ein Interessengebiet, von dem du stundenlang erzählen könntest?
  • Engagierst du dich ehrenamtlich? Wenn ja, wo? Macht es dir Spaß?
  • Was sind deine persönlichen Ziele? Was versprichst du dir von deinem Studium?

Ebenso wichtig wie das Kennen der eigenen Stärken ist es, zu wissen, was dir gar nicht liegt. Das Ausschlussprinzip kann dir helfen, bestimmte Studiengänge direkt herauszufiltern, wenn du kein Blut sehen kannst, kommt ein Medizinstudium wahrscheinlich nicht in Frage. Die Fächer Englisch, Französisch oder Latein waren überhaupt nicht dein Fall? Dann solltest du die besser nicht studieren – auch nicht auf Lehramt.

 

2) Mach dir Gedanken um die Rahmenbedingungen
Wenn du erstmal deine Fähigkeiten und Interessen herausgefunden hast, ist es wichtig, im nächsten Schritt die Rahmenbedingungen, die ein Studium mit sich bringen, zu klären. Wenn du zuhause wohnen bleiben möchtest, kommt ein Studium in einer weit entfernten Stadt nicht in Frage. Hier musst du dich also informieren, ob es überhaupt die Möglichkeit gibt, in der Nähe deines Wohnortes zu studieren und wenn ja, ob dort auch die Studiengänge angeboten werden, die zu deinen eigenen Interessen passen.

Wenn du von zuhause ausziehen möchtest, steht dir im Grunde genommen die Welt offen. Oder hast du vielleicht eine ganz bestimmte Stadt im Kopf, in die du ziehen möchtest? Auch dann gilt es, sich zu informieren. Und zwar nicht nur über die Studiengänge und Hochschulen selbst, sondern auch über die Zulassungsbestimmungen der jeweiligen Studiengänge. Bevor du dich entschließt, weit weg von zuhause zu studieren, musst du dir genau überlegen, ob eine solche Entfernung zu deiner Familie und deinen Freunden für dich ein großes Problem wäre – viele Studenten haben grade zu Beginn ihres Studiums oft mit Heimweh zu kämpfen.

Natürlich ist es auch wichtig, zu wissen, ob du mit deinem Abschluss und deiner Abschlussnote überhaupt die Chance hast, dein Wunsch-Studium anzutreten, oder ob da bestimmte Zulassungsvoraussetzungen wie ein Numerus Clausus gelten. Mehr über das Zulassungsverfahren an deutschen Hochschulen erfährst du weiter unten.

Bist du eher praktisch oder theoretisch veranlagt? Wenn du deine Stärke vor allem im Umsetzen von theoretischem Wissen siehst, solltest du eine Uni für dein Studium auswählen, wenn du aber lieber in kleineren Gruppen und praxisorientiert lernen möchtest, ist die Fachhochschule vielleicht die bessere Wahl. Apropos praxisorientiert: Vielleicht ist ja auch ein duales Studium etwas für dich? Hier verbindest du eine Praxisphase im Unternehmen mit einer Theoriephase in der Hochschule, wodurch du die Strukturen der Unternehmen direkt gut kennenlernen kannst. Ein duales Studium bedeutet aber natürlich auch eine höhere Belastung als ein normales Studium, also mach dir vorher genug Gedanken darüber!

 

3) Lass dich beraten!
Auch wenn du inzwischen weißt, was deine Stärken und Schwächen sind und du geklärt hast, was die Rahmenbedingungen deiner Studienwahl sind, ist es trotzdem oft schwer, diese Infos auf einen konkreten Studiengang zu übertragen.

Zuallererst könntest du mit Familie oder Freunden reden, die vielleicht selbst schon studiert haben oder noch studieren und dir den ein oder anderen Tipp geben könnten. Menschen, die dich kennen, können oft auch gut einschätzen, was zu dir passt und was dir gefallen könnte – aber lass dich nicht zu sehr von dieser Meinung beeinflussen. Wenn das Bild, was andere von dir haben, gar nicht zu deiner eigenen Vorstellung von dir selbst passt, dann solltest du immer auf dein Bauchgefühl hören!

Und wenn dich das dann doch im Stich lässt, gibt es viele Beratungsstellen, z.B. an Universitäten oder bei der Bundesagentur für Arbeit, an die du dich wenden kannst. Die Vorteile eine Studienberatung liegen auf der Hand: jeden Tag kümmern sich die Berater um Menschen wie dich. Sie können oft schnell einen guten Eindruck von dir gewinnen und versuchen, während eines Gesprächs mit dir die Studiengänge einzugrenzen, die für dich in Frage kommen würden. Ein weiterer Vorteil? Die Mitarbeiter der Studienberatung haben im Kopf, welche Zulassungsvoraussetzungen es gibt und können dir genau sagen, was mit deinem Abischnitt machbar ist und was nicht.

Das Zulassungsverfahren

Nicht jeder kann jederzeit ein Studium beginnen – es gibt viele Zulassungsvoraussetzungen, die du beachten musst, bevor du dich in einer Hochschule einschreiben kannst.

 

  • Die Hochschulzugangsberechtigung

    Alles beginnt mit der Hochschulzugangsberechtigung. Nur, wer durch seinen Schulabschluss oder bestimmte berufliche Qualifikationen vorweisen kann, dass er über die sogenannte Hochschulreife verfügt, kann auch anfangen, zu studieren.

    Ein klassisches Beispiel dafür ist das Abitur. Wenn du dein Abitur, also deine allgemeine Hochschulreife, gemacht hast, stehen dir die Türen zu den Unis und Fachhochschulen offen – in den Weg stellt sich da nur noch der Numerus Clausus, auf den wir später noch eingehen.

    Außerdem berechtigt noch die fachgebundene Hochschulreife zum Studium bestimmter Fächer – welche Fächer das genau sind, kannst du deinem Zeugnis entnehmen. Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium an Fachhochschulen oder den passenden Studiengängen an Universitäten.

    • Studieren ohne Abi
      Du hast kein Abitur, sondern eine Ausbildung gemacht und möchtest nach einiger Zeit im Berufsleben doch nochmal mit einem Studium neu durchstarten? Auch das ist kein Problem. Unterschieden wird zwischen dem „fachgebundenen Hochschulzugang für beruflich qualifizierte" und der „allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung für Inhaber beruflicher Aufstiegsfortbildungen".

      Wenn du eine abgeschlossene Berufsausbildung hast sowie mehrjährige Erfahrung in diesem Beruf, dann erhältst du den fachgebundenen Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte. Voraussetzung ist, dass der Studiengang, den du dir aussuchst, zusammenpasst mit deiner beruflichen Qualifizierung, als Steuerfachangestellter kannst du also zum Beispiel BWL studieren. Jede Hochschule entscheidet selbst, ob deine Ausbildung zu dem Studiengang passt, und wenn dies der Fall ist, kannst du entweder direkt zum Studium zugelassen werden, oder musst noch einige Eignungsprüfungen durchlaufen, bevor es richtig losgehen kann.

      Wenn du nach deiner Berufsausbildung noch eine berufliche Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hast, also zum Beispiel den Meister, den Techniker oder den Fachwirt, dann erwirbst du damit die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung – du bist also nicht gebunden an ein bestimmtes Fach oder an die Fachhochschule, sondern hast nun dieselben Voraussetzungen wie jemand mit einem normalen Abitur.

 

  • Die Zulassungsbeschränkung

    Für viele Studiengänge gibt es mehr Bewerber als Studienplätze – und darum gibt es Zulassungsbeschränkungen. Unterschieden wird hier zwischen der örtlichen und der bundesweiten Zulassungsbeschränkung, die dir den Weg zu deinem Studienplatz ein bisschen erschweren.

    • Die örtliche Zulassungsbeschränkung
      Die örtliche Zulassungsbeschränkung ist wohl den meisten bekannt als „Numerus Clausus" oder „NC". Das bedeutet aber nicht, dass schon vor der Auswahl der Studierenden eine Mindestnote festgelegt wird, die die Bewerber erreichen müssen, um studieren zu können, sondern, dass es eine begrenzte Anzahl an Plätzen gibt, die mit den besten Bewerbern besetzt werden. Der letzte Bewerber, der es in den Studiengang geschafft hat, setzt den Numerus Clausus fest – also die Note, mit der man grade noch aufgenommen wurde.

      Da der NC nachträglich bestimmt wird, solltest du dich davon nicht abschrecken lassen und dich auf jeden Fall bewerben, auch wenn deine Durchschnittsnote schlechter ist als der NC der letzten Semester. Auch, wer Wartesemester gesammelt hat, also längere Zeit nicht an einer deutschen Hochschule immatrikuliert war, kann so seinen Notendurchschnitt verbessern und hat eine Chance, den NC trotzdem noch zu erreichen.

      Abgesehen vom NC haben manche Hochschule noch weitere Auswahlkriterien, auf die geachtet werden. Zum Beispiel werden manchmal Praktika oder Berufsausbildungen als positives Kriterium gewertet, manche Fächer stärker gewichtet als andere oder der Bewerber muss vor der Immatrikulation noch einen Eignungstest ablegen. Über solche Kriterien informierst du dich am besten direkt bei deiner Hochschule.

    • Die bundesweite Zulassungsbeschränkung
      Manche Studiengänge sind seit Jahren so beliebt, dass sie mit einem bundesweiten Numerus Clausus belegt sind. Dazu gehören die Studiengänge Pharmazie, Medizin, Tiermedizin und Zahnmedizin, für die du dich nicht direkt an der Hochschule bewirbst, sondern bei der Stiftung für Hochschulzulassung, die die Studienplätze zentral vergeben.

    • Keine Zulassungsbeschränkung
      Manche Studiengänge sind weder mit einem örtlichen, noch mit einem bundesweiten NC belegt. Dies erfährst du meist auf der Internetseite der Hochschule selbst und das bedeutet, dass du dich meist direkt für den Studiengang deiner Wahl einschreiben kannst, wenn du eine entsprechende Hochschulzugangsberechtigung besitzt. Die Immatrikulation erfolgt direkt bei der Hochschule, meistens brauchst du dafür deine Hochschulzugangsberechtigung, einen Lebenslauf, einen Nachweis zur Krankenversicherung und ein Passbild.

 

  • Achte auf die Bewerbungsfristen!

    Immer im Hinterkopf behalten solltest du die Fristen und Termine der einzelnen Hochschulen. Schau dir vorher an, ob der Studiengang deiner Wahl in dem jeweiligen Semester überhaupt angeboten wird – manche Studiengänge kannst du nur zum Wintersemester und nicht zum Sommersemester anfangen.

    Außerdem musst du unbedingt auf die Bewerbungsfristen achten, die fast an jeder Hochschule gleich sind: Willst du im Sommersemester anfangen, zu studieren, ist die Frist der 15. Januar, willst du zum Wintersemester starten, dann ist es der 15. Juli. Verlass dich aber nicht auf diese Zeiten, manche Hochschulen haben da ihre eigenen Regelungen, die du über den Internetauftritt der jeweiligen FH oder Uni herausfinden kannst.

 

Die Checkliste zum Studienstart!

Diese Checkliste soll dir helfen, perfekt vorbereitet in dein Studium zu starten und alles, was wichtig ist, im Überblick zu behalten!

  • Immatrikulieren! (Per Post oder vor Ort)
  • Überweise deinen Semesterbeitrag
  • Schau dir die Prüfungsordnung und das Modulhandbuch an
  • Informier dich über die wichtigen Termine im Semester
  • BaföG-Antrag rechtzeitig stellen
  • Schick die Immatrikulationsbescheinigung an deine Krankenkasse und die Familienkasse
  • Informier dich über dein Semesterticket und das öffentliche Verkehrsnetz
  • Offene Fragen? Geh zur Studienberatung!
  • Informier dich über eventuelle Vorkurse (z.B. Mathematik)
  • Wohnungssuche! WG, Wohnung, Studentenwohnheim?
  • Ummelden (Achtung: Zweitwohnsitzsteuer!) und Bankkonto eröffnen
  • Kauf keine Bücher voreilig, warte auf die erste Vorlesung!
  • Schau dir den Campus an, damit du weißt, wo was ist
  • Gibt es eventuell Facebook Gruppen, denen du betreten kannst?